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Wandern wirkt!

Wandergruppe „Wanderbar“ der Sozialpsychiatrischen Tagesklinik

Ende vorigen Jahres hieß es in der Sozialpsychiatrischen Tagesklinik (TKL) am Landesklinikum Hollabrunn nun schon zum zweiten Mal: „Wir sind dann mal draußen …“. An acht Tagen innerhalb von vier Wochen wanderte die TKL-Gruppe „Wanderbar“ von Hollabrunn nach Hardegg.

Ziel der therapeutischen Wandergruppe ist es, die teilnehmenden Patientinnen und Patienten bei ihrer Genesung zu unterstĂĽtzen. Das gemeinsame Wandern soll auch zeigen, dass Wandern in ortsnahen Gegenden reizvoll ist und dass nicht immer eine lange Anreise zu einem Berg oder Wandergebiet notwendig ist.

Erstmals hat die Wandergruppe im Frühling 2021 stattgefunden. Diesmal fand die Wanderung Ende des Jahres statt. Die Natur zeigte sich in ihren schönsten Farben. Das Herbstwetter hatte aber den Nachteil, dass aufgrund der Temperaturen und der Feuchtigkeit die Pausen diesmal etwas kürzer waren. Trotzdem waren die Tagesetappen für alle gut zu schaffen.

Die Teilnehmenden leiden an unterschiedlichen psychiatrischen Erkrankungen. Alle von ihnen bemerkten Veränderungen, die durch das gemeinsame Wandern eintraten. Die körperliche Fitness und Ausdauer sind gestiegen, ein positiver Einfluss auf die Stimmung und den Antrieb war merkbar. Soziale Ängste verringerten sich und belastendes Grübeln wurde weniger. Einigen ist es im Nachhinein gelungen, weiterhin körperlich aktiv zu bleiben.

Dipl. Ing. Alexandra Luszczak und DPGKP Claudia Dauböck, MSc begleiteten die Gruppe. Beeindruckt waren sie schon am zweiten Tag: Am Morgen regnete es in Strömen und es war unangenehm kalt. Einige der teilnehmenden Patientinnen und Patienten leiden an einer Depression mit morgendlichem Pessimum und Antriebslosigkeit, dadurch fällt es im Alltag oft schwer, am Morgen aufzustehen. Aber trotz des feuchten und kalten Wetters, sind alle Patientinnen und Patienten am Morgen zum Treffpunkt gekommen und mitgewandert.

Einer der Patienten kreierte an diesem Tag einen Motivationsspruch für die Gruppe: „Es kann regnen wie die Sau, wir wandern bis der Himmel ist blau.“ Der Spruch wirkte und bald zeigte sich die Sonne.

Auch der Abschlusstag war ein Regentag. Aus diesem Grund wurde den Wandernden angeboten, eine kürzere Strecke als vorgehabt zu gehen. Dies wurde von fast allen abgelehnt und so wanderte die Gruppe im Regen am mystisch wirkenden Thaya-Wanderweg nach Hardegg. Das Gehen im Regen führte zu einem langsameren, achtsameren Gehen. Die Konzentration war bei den Patientinnen und Patienten mehr bei sich und weniger bei den anderen. Die Rückmeldungen am Ende des Tages waren alle positiv. Einige zeigten sich motiviert, in Zukunft „schlechtes Wetter“ nicht mehr als Ausrede für sich gelten zu lassen, um nicht spazieren oder wandern zu gehen.

Einige Wochen nach der Wanderung fand ein abschließendes Treffen der Wandergruppe „Wanderbar“ in der TKL statt, bei dem Resümee gezogen wurde. Das Treffen war von freudigem Wiedersehen geprägt und zeigte, wie sich das gemeinsame Wandern auf das Gruppenzugehörigkeitsgefühl der Einzelnen auswirkte. Gemeinsam wurde nochmals über die einzelnen Wandertage gesprochen und reflektiert, wie sich das Wandern ausgewirkt hat.

Die Integration der Wandergruppe in den Behandlungsplan der TKL bedeutet einen hohen organisatorischen Aufwand und fordert viel persönliches Engagement von den Teammitgliedern. Trotzdem und vor allem aufgrund der positiven Rückmeldungen aller wird voraussichtlich im Herbst 2023 die nächste Wandergruppe von Hollabrunn nach Hardegg starten.

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Im Bild v.l.n.r. DPGKP Claudia Dauböck, MSc und Dipl. Ing. Alexandra Luszczak begleiteten die Gruppe während der Wanderung.