Der eklatante Verlust an biologischer Vielfalt im westlichen Weinviertel soll gestoppt werden. Am Abend des 20. Mai fiel im Gemeindeamt Retzbach der offizielle Startschuss für das wegweisende Projekt „Biodiversität im Weinbau“ der Region Weinviertel-Manhartsberg. Engagierte Winzerinnen und Winzer der Region nahmen an der Auftaktveranstaltung teil, um gemeinsam den Grundstein für eine nachhaltige und krisenfeste Bewirtschaftung ihrer Flächen zu legen.
LEADER-Förderung und wissenschaftliche Begleitung
Bürgermeister Toifl von der Gemeinde Retzbach begrüßte die Anwesenden und unterstrich die Bedeutung regionaler Initiativen für den Naturschutz. Der Winzer Werner Pölz aus Unterretzbach, der als Initiator und Koordinator der Winzergruppe fungiert, führte als Moderator durch den Abend. Renate Mihle, Geschäftsführerin der LEADER-Region Weinviertel-Manhartsberg, berichtete über die Rahmenbedingungen der LEADER/EU-Förderung. Das Projekt wird im Rahmen der LEADER-Strategie umgesetzt, um Schwächen der Region gezielt in Stärken zu verwandeln.
Florian Danzinger gab einen fundierten Einblick in den aktuellen Zustand der regionalen Artenvielfalt und zeigte auf, wie wichtig funktionierende Ökosysteme gerade in Zeiten des Klimawandels als „natürliche Versicherung“ gegen Extremwetter und Trockenheit sind. Ein besonderer Schwerpunkt des Abends lag auf den ökologischen Herausforderungen. Schutzgebietsbetreuerin DI Dr. Gabriele Bassler-Binder referierte über die heimischen Vorkommen schützenswerter Pflanzen und Tiere sowie über die akuten Gefahren ihrer Verdrängung durch invasive Neophyten.
Praxisnahe Beratung für Winzer:innen
Genau hier setzt das Projekt an: Weinreben bieten als dauerhafte Kulturlandschaft ein enormes Potenzial für den Artenschutz. Die teilnehmenden Betriebe (insgesamt nehmen 15 Pilotbetriebe von Haugsdorf bis Hollabrunn teil) werden in den kommenden Monaten intensiv geschult und beraten. Gemeinsam mit den Expertinnen und Experten des Umweltbundesamtes und Gabriele Bassler-Binder werden maßgeschneiderte Biodiversitätskonzepte je Betrieb, ein regionales Biotopverbundkonzept für Trittsteinbiotope sowie ein Maßnahmenkatalog für weitere Betriebe erstellt und die teilnehmenden Winzerinnen und Winzer zu „Biodiversitätsbotschafter:innen“ ausgebildet, um ihr Wissen an Kolleg:innen, Schulen und die Bevölkerung weiterzugeben.
Im Fokus stehen dabei vor allem nicht landwirtschaftlich genutzte Grünräume wie Böschungen, Hecken, Rand- und Grenzflächen. Wesentliches Ziel ist es, das westliche Weinviertel zu einer Vorzeigeregion für nachhaltigen und zukunftsfähigen Weinbau zu entwickeln.
Hintergrund:
Das LEADER-Programm ermöglicht es den Menschen vor Ort, maßgeschneiderte und innovative Projekte selbstbestimmt zu entwickeln, um durch die gezielte Stärkung von Lebensräumen und Klimaschutzmaßnahmen regionalen Herausforderungen wie dem Klimawandel direkt an der Basis entgegenzuwirken.
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Im Bild: LEADER Obm. Peter Steinbach, Kammerobmann Bgm. Fritz Schechtner, Christoph Schleinzer, Judith Pölz, Christian Übl, LEADER GF Renate Mihle, Christian Übl, Angelika Hebenstreit, Bgm. Roland Toifl, Heidi Bauer, Michael Sailer, Kerstin Schüller, Markus Pröglhöf, Gabriele Bassler-Binder, Gregor Danzinger, Werner Pölz, Florian Danzinger und Viktor Teufelsbauer sind motiviert, das westliche Weinviertel mit heimischer Artenvielfalt zu verbessern.
Foto: Wolfgang Hanousek
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