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Ein Sohn des Waldviertels!

Walther von der Vogelweide

Ins Hochmittelalter versetzte die 59. Hollabrunner Vorlesung kürzlich am Erzbischöflichen Gymnasium am 22. Jänner. Live-Musik und mittelalterliche Küche rundeten den Abend ab.

Den Auftakt bildete Walthers berühmtes Lied „Unter der Linde“, eine Liebesbegegnung aus der Sicht einer Frau, zur Überraschung des Publikums live dargeboten.
Mag. Robert Berger, bis 2025 AHS-Lehrer, stellte nach der Skizzierung des Zeithintergrundes in seinem Referat zunächst in Grundzügen Walthers Werk, seine Minnelyrik und Sangspruchdichtung, vor. Dabei arbeitete er heraus, dass der „Superstar des Mittelalters“ korrekterweise nicht bloß der berühmteste Dichter vor Goethe war, sondern vielmehr als Berufsmusiker oder noch treffender als Singer-Songwriter zu sehen ist. In der Überlieferung, etwa in der „Großen Heidelberger Liederhandschrift“, sind jedoch ausschließlich die Texte überliefert, auch weil es damals noch keine standardisierte Notation für die Musik gab.
Berger zeigte, wie Walther in seiner Minnedichtung über das Wesen der Liebe nachdachte, welche Innovationen er einführte und dass er – für seine Zeit geradezu utopisch – das Ideal einer auf Gleichberechtigung basierenden Beziehung zwischen Mann und Frau entwarf.
In seiner Sangspruchdichtung, etwa dem „Ich saz ûf eime steine“, Generationen von Schüler:innen bestens bekannt, zeige sich Walther als „Beobachter, Seher und Prophet“, der über die Welt und das Leben nachdenkt. Mit seinen Antworten auf ethisch-moralische Fragen, etwa „wie kann man Ehre und Besitz erlangen und trotzdem ein ehrlicher Mensch bleiben?“, sei Walther bis heute hochaktuell.
Zu Walthers Leben zeigte der Referent, dass Walther selbst in seinem Werk mehrfach Bezug auf Österreich nahm: u.a. mit „in Österreich lernte ich Sprechen und Dichten“ und, nachdem er bereits jahrelang gern gesehener Gast bei deutschen Bischöfen, Fürsten und Kaisern gewesen war, „Wohlauf mit mir, gehen wir heim nach Österreich!“ Berger rief in Erinnerung, dass das Österreich der Babenberger Herzöge um 1200 nicht einmal das Gebiet des gesamten heutigen Niederösterreich umfasste!
Zur vieldiskutierten Frage, wo die Heimat Walthers zu suchen ist, referierte Berger die Forschungsergebnisse der jüngsten Zeit: Walther beklagt gegen Ende seines Lebens in einem Gedicht, dass die Wälder, die er von seiner Jugend kannte, gerodet worden sind. Das bedeute, dass seine Heimat abseits der wichtigsten Verkehrswege lag. Und Rodungen seien zu dieser Zeit nur noch im Waldviertel erfolgt.
Nach der Vorlesung wurden die zahlreichen Besucher:innen von Karl Riepl mit einem köstlichen Eintopf in die mittelalterliche Küche entführt und mittelalterliche Instrumente wurden erklärt..

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Im Bild v. l. n. r.: Mag. Robert Berger, Michael Lehner und Mag. Christian Kasper, Initiator der Hollabrunner Vorlesungen Foto: Alex Seidl